Der Panther – Rainer Maria Rilke

der pantherSein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Der Panther – Rainer Maria Rilke
Im Jardin des Plantes, Paris
Aus: Neue Gedichte (1907)

www.rilke.de

Ilka’s Lieblingsgedicht. Ilka musste zum Winter hin immer neu mit Haldol eingestellt werden. Ilka war sehr nachdenklich und für Ihr Alter geistig weit voraus. Ich traf Ilka vor etwas über 11 Jahren auf einer geschlossenen geschützten Station, sie war knapp 20 Jahre alt, aber bestimmt, nein sicher, war es schon ihr 2. Leben. Sie zitiert Rilke perfekt, … nicht nur den Panther. Immer und immer wieder. Den Flur auf und ab, … immer und immer wieder … Ihr Blick ist vom Vorübergehn so müd geworden, daß er nichts mehr hält … immer und immer wieder … die ganze Nacht … immer und immer wieder … sie malte einen Panther hinter (offenen) Gittern … immer und immer wieder …

Für Ilka würde es immer Winter bleiben, das wusste sie. Immer grau in grau, ohne Gefühle, ohne Höhen, ohne Tiefen. Alles andere ging gar nicht, auch nicht im Sommer. Ilka war es gewohnt, den Ihr zugewiesenen Parcour auf und ab zu laufen.

Ilka erzählte mir von ihren Reisen, sie war weit rumgekommen. Ilka lehrte mich, ihren wirklich wahren Geschichten zuzuhören. Ich vergass, das ich es war, der Angst hatte! Sie wusste, das sie es war, die Angst hatte! Meine Angst wird vergehen, Ihre … bleiben.

Sie wurde ruhiger, je mehr sie sich an die neue Dosis gewöhnt hatte. Man sah es ihr dann kaum noch an, aber es war wieder Winter … in ihr …