Nasenspray, meine Abhängigkeit

es ist ja nicht gerade das „Coming Out“ des Jahres, aber ja, ich bin Nasenspray abhängig! Ich gehe damit inzwischen relativ offen um, erzähle es auch denen, die es nicht hören wollen. „Hör doch einfach auf!“

Seit etwa 4 Jahren nun „pflege“ ich meine Abhängigkeit vom Nasenspray. Xylometazolinhydrochlorid, mein Lebenselixier.

Ich bin Nasenatmer. Atmen durch den Mund fällt mir übelst schwer. Das geht beim Sport, aber überhaupt nicht Nachts bei Schlafen und schon gar nicht beim Einschlafen. Ich bekomme Beklemmungen, wenn ich keine Luft bekomme, Panik und Angstzustände. Ich wache Nachts auf, wenn ich keine Luft bekomme, bin vor allem im Brust- und Stirnbereich klitschnass geschwitzt. Zeit zu Sprühen!

Wenn an das Zeug schwieriger ranzukommen wäre, gäbe es hier im Ort glatt Beschaffungskriminalität. Bestimmt. Meine Suchtstrukturen sind erwacht. Ich wechsle anfangs die Apotheken wie Tankstellen bei denen man sich einen Flachmann besorgt und nicht als Dauergast erkannt werden möchte. „Sie dürfen das Spray aber nur ein paar Tage nacheinander benutzen …“ Ja, ja … Klar. …

Ich brauche Vorrat! Eins im Auto, eins in der Jackentasche, im Büro, im Koffer, in der Saunatasche, im Schlafzimmer, … Wehe, es ist Wochenende und das letzte Spray geht zur Neige.

Überaus praktisch heutzutage, Online-Apotheken! Da kann ich meine Bestellungen streuen und größere Vorräte anlegen. Um noch genialer zu verschleiern (denkt man), kauft man einfach jeweils 1 Spray, dann aber von 10 verschiedenen Herstellern. Ich bin ein Testhaushalt. Die Marke? Eh‘ egal, Hauptsache das Xylometazolinhydrochlorid ist drin. Und bloß nicht 0,05% verdünnt, das hält nicht so lange. Und kommt mir auch nicht mit dem alternativen Zeugs, Öle, Salzwasser, Spülungen, das wirkt alles nicht!

Die Überraschung? Von einer (1) Online-Apotheke habe ich ein persönliches Schreiben erhalten, mit dem Hinweis auf die Risiken und Nebenwirkungen des Zeugs. Ob ich nicht doch besser einmal den Art oder Therapeuten aufsuchen wollte? Lieferung anbei. Ok, Belehrungen will ich nicht hören, gegen Ratschläge bin ich resistent. …

Aber es tropft dann doch auf den Stein und macht zunehmend nachdenklich.

Im Internet habe ich über grauenhafte Folgen gelesen. Schleimhäute verfaulen und fangen heftig zu stinken an. Das kann ich allerdings so nicht bestätigen, ich rieche ja eh‘ nichts mehr! Dann ist es bei mir also doch nicht so schlimm, wie bei den anderen Suchtis?!

Warum ich das alles schreibe? Es pisst mich zunehmend an! Gefühlt rutsche ich von einer „Erkältung“ in die andere, hatte vor 3 Jahren einen „Gehörsturz“ und inzwischen eine chronische Nebenhöhlenentzündung. Ich fühle mich eigentlich dauerhaft ausgelutscht. Aktuell plagt mich auch noch eine Bronchitis (na klar vom Rauchen, … die nächste Baustelle) und irgendwie will ich nicht mehr. Genanntes kommt sicher nicht alles vom Nasenspray, aber ich rede es mir jetzt einfach ein. Vor allem meine linke Nebenhöhle bläht sich teilweise ganz schön auf. Immer dann meine ich auch, auf dem linken Ohr schlechter zu hören. Ich will jetzt damit aufhören! Außerdem ist das Rauchen die größere und schwierigere Baustelle.

Im Internet findet man schon viele Hinweise, wie es andere geschafft haben, vom Nasenspray loszukommen. Ich möchte meinen Weg hier aufzeichnen, vielleicht kann das ja irgendwer irgendwann gebrauchen. Es ist immer gut zu wissen, das man nicht als Einziger betroffen ist, und es ist immer gut, darüber selbst zu sprechen und sich der Problematik bewusst zu werden.

Gestern musste ich wegen eines Rezepte sowieso in die Apotheke und statt auf den Boden zu schauen und mal wieder Nasenspray zu ordern, habe ich ich mir den Apotheker selbst gegriffen. Meine erste allerdings rhetorische Frage war, ob es nicht irgendein Zeug gibt, was die Schleimhäute abschwellen lässt, aber nicht abhängig macht. Gibt es nicht, klar. Auch jede andere Form z. B. als Tablette mit der gleichen Wirkung würde abhängig machen und irgendwie die Schleimhäute schädigen.

Was denn wäre, wenn man den Hinweisen seiner Kollegen nicht gefolgt sei und wider besseren Wissens das Nasenspray schon über einen längeren Zeitraum, sagen wir … ein halbes Jahr ( … erm … ) nehmen würde? Üble Sache, aber einfach aufhören. Er hätte allerdings schon einmal einen Kunden gehabt, der das nicht so einfach konnte (aufhorch). Dieser hatte Herzbeschwerden. Atemnot, gerade während der Nacht, kam überhaupt nicht gut an. Dieser bekam dann Panikattacken und das kleinere Übel sei dann das Sprühen von Nasenspray gewesen. Hier funktionierte das sofortige Aufhören nicht. Diesem Kunden hätte er den Rat gegeben, es mit Kinderspray 0,05% zu versuchen und die Anzahl der Anwendungen möglichst kontinuierlich zu reduzieren.

Im Internet hatte ich zudem den Tipp gelesen, zunächst ein paar Tage mit einer Nasenhälfte anzufangen und dann schrittweise reduzierend vorzugehen.

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